Gansessen und Mundart
Main-Echo Pressespiegel

Gansessen und Mundart

Katholisches Seniorenforum Dekanat Alzenau: Mundartdichter Karl Schmitt aus Volkersbrunn zu Gast
SCHÖLLKRIPPEN  Vie­le Se­nio­rin­nen und Se­nio­ren wa­ren der Ein­la­dung der Ka­tho­li­schen Se­nio­ren­ge­mein­schaft St. Katha­ri­na ge­folgt und so war der klei­ne Saal der »Neu­en Zeit« gut be­setzt. Pfar­rer Chris­ti­an Greb­ner hob in ei­ner kur­zen Be­trach­tung die Be­deu­tung des Hei­li­gen Mar­tin von Tours her­vor. Er ist Patron vieler Kirchen und verbindet so gläubige Menschen über Jahrhunderte hinweg. Durch die St. Martinsumzüge bringt er auch die Generationen zusammen. Und da der Reformator Luther am Gedenktag des Heiligen Martin auf den Namen Martin getauft wurde, besteht hier auch eine Verbindung zwischen den Konfessionen.
Nach dieser Besinnung begrüßte Ursula Hohaus den Mundartdichter Karl Schmitt aus Volkersbrunn. Dieser freute sich über die Einladung, da sein Heimatort bereits über viele Jahre hinweg die Schöllkrippener Walldürrnwallfahrer beherbergt. Sogleich schöpfte Karl Schmitt aus dem Vollen und trug Gedichte, Anekdoten und Beiträge vor, die vielen Anwesenden bereits aus der »Babbel- Box« im Main Echo bekannt waren.
Die meisten mundartlichen Ausdrücke waren den Kahlgründern durchaus vertraut, bei manchen Volkersbrunner Begriffen allerdings musste Karl Schmitt Übersetzungsarbeit leisten. Mit präziser Beobachtungsgabe wurden Charaktere lebendig und anschaulich beschrieben. So ist es z.B. keine Schaden, wenn ein Simbel einen anderen Simbel Simbel nennt, weil keinem von beiden bewusst ist, dass sie beide Simbel sind. Alltagssituationen wurden treffend oder mit Sprachspielereien beschrieben: Däff des dess? Ja, des däff dess. Alltagsgegenstände pries Karl Schmitt mit ihren schier unendlichen Vorzügen, wie z. B. den Schubkarren, das Lieblingsfahrzeug so manchen Mannes: Sparsam im Materialaufwand, denn er kommt mit einem einzigen Rad aus. Stets zuverlässig, denn sein Besitzer muss sich nicht sorgen, dass er morgens nicht anspringt. Er verbraucht keinen Sprit und mit ihm ist die Arbeit schnell geschafft.
Erinnerungen an vergangene dörfliche Rituale ließ Karl Schmitt lebendig werden, indem er alle Sinne in seine treffenden Beschreibungen einbezog, wie etwa beim Gedicht »Schloachtfest«, das in einem Lob auf die Woaschtsuppe und die guten mitmenschlichen Beziehungen endet, da vom frisch Geschlachteten auch die Nachbarschaft und der Lehrer etwas abbekamen. Neben der Woaschtsuppe waren auch andere kulinarische Köstlichkeiten der guten alten Zeit Thema des Vortrages: »Konn woas besser soi wie Ebbelwoi?« Niemand aus dem Publikum wagte da zu widersprechen. Grumben, Grumbenstoambes, Hoandkees, Rindswäscht, Brässack, Schwoademoache, den Seniorinnen und Senioren lief allmählich das Wasser im Mund zusammen und sie freuten sich auf den Gänseschlegel mit Klößen und Rotkraut, den es nach dem Vortrag geben würde.
Loblied auf den Spessartwald
Doch zuvor bekannte sich Karl Schmitt noch zu seiner Heimatliebe, indem er ein Loblied auf den Spessartwald zum Besten gab und zum gemeinsamen Singen des Spessartliedes einlud. Beim anschließenden Gansessen wurde noch viel über Mundart und frühere Zeiten erzählt.
Gottfried Hohaus

22.11.2019
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