In allen politischen Systemen stand der Glaube an erster Stelle
Main-Echo Pressespiegel

In allen politischen Systemen stand der Glaube an erster Stelle

Seelsorge: Gemeindereferentin Christa Klebba geht in Ruhestand - In Kleinlaudenbach geboren - Einmal DDR und wieder zurück
KLEINKAHL  Schon als Elf­jäh­ri­ge stand ihr Be­rufs­wunsch fest: »Ich will Seel­sor­ge­hel­fe­rin wer­den!« Das schrieb die Fünft­kläss­le­rin auf den Fra­ge­bo­gen ih­rer Er­fur­ter Schu­le, den al­le Ju­gend­li­chen aus­fül­len muss­ten. Die­ser Wunsch hat sich noch teil­wei­se in der ehe­ma­li­gen DDR er­füllt.

Dennoch wollte Christa Klebba nicht in der DDR bleiben: Im September 1989, acht Jahre nachdem sie den Ausreiseantrag gestellt hatte (und zwei Monate vor dem Mauerfall) konnte sie mit ihrem Mann und fünf Kindern die DDR verlassen. Fortan lebten sie im Kleinkahler Pfarrhaus. Sieben Jahre war Christa Klebba Küsterin der Kirche St. Josef.

Es war übrigens nicht der erste Wechsel: Christa Klebba, Tochter von Walter Neff und einer Erfurterin, erblickte im Kleinkahler Ortsteil Kleinlaudenbach das Licht der Welt. 1959 verließ ihre Mutter mit der sechsjährigen Christa und ihren Brüdern den Kahlgrund und kehrte in die DDR zurück.

Und nun, im August, geht die 65-jährige Gemeindereferentin, die für das Aschaffenburger Stadtdekanat und die katholische Pfarreiengemeinschaft Schöllkrippen-Kleinkahl arbeitet, in den Ruhestand.

Abschied am 10. August

Bei der diesjährigen Religiösen Kinderwoche (RKW) in Kleinkahl unter dem Motto »Die Kraft der Vier - Luft, Feuer, Erde, Wasser« vom 7. bis 10. August ist der Schlussgottesdienst am 10. August um 18 Uhr in der Kirche St. Josef auch gleichzeitig Klebbas Abschiedsgottesdienst.

Die Kleinkahler RKW, seit ihrer Einführung 2010 ein erfolgreicher Teil der hiesigen Ferienspiele, geht auf die Initiative Klebbas zurück. Ursprünglich sind die Religiösen Kinderwochen in der ehemaligen DDR entstanden, um der atheistischen Erziehung in Schule und Kindergarten etwas entgegen zu setzten, berichtet Klebba. Die Gemeindereferentin kennt die RKW aus eigenem Erleben als Kind. Als großes Vorbild nennt sie Helga Mondschein, ihre erste Religionslehrerin (spätere Ordinariatsrätin im Bistum Erfurt), die federführend bei den Kinderwochen war.

Immer mehr Pfarreien in den alten Bundesländern haben inzwischen das RKW-Konzept übernommen. Denn auch hier sei die Glaubensweitergabe nicht mehr so einfach, sagt Klebba, die sehr froh ist, dass die RKW vom Würzburger Bonifatiuswerk mit einem Preis ausgezeichnet wurde - und dank Ehrenamtlicher nun schon zum zehnten Mal stattfinden kann.

Im Fernstudium hatte sie in den 1990er-Jahren die Ausbildung zur Gemeindereferentin absolviert und wirkte ab 1997, zunächst als Gemeindeassistentin, in Aschaffenburg-Damm. Da hier sehr viele ausgesiedelte Russlanddeutsche wohnten, kamen ihr ihre russischen Sprachkenntnisse sehr zugute. Später arbeitete sie als Gemeindereferentin auch in der Pfarreiengemeinschaft St. Martin. Klebbas Schwerpunkte: Migrationsarbeit, Schul- und Trauerpastoral, sowie die Firmvorbereitung.

Seit 2013 hat die Gemeindereferentin zwei Halbtagsstellen: Neben der Arbeit in der Stadt ist sie auch für Kleinkahl und Schöllkrippen im Einsatz und vor drei Jahren wurde die Pendlerin, die für Mitreisende im Bus stets ein offenes Ohr hat, offiziell zur Busseelsorgerin.

Auch wenn am 1. August ihre Rentenzeit beginnt: Die RKW gestaltet sie heuer noch ehrenamtlich mit, zudem will sie einige ehrenamtliche Aufgaben beibehalten.

Hintergrund

Geht in Ruhestand: Gemeindereferentin Christa Klebba. Im Hintergrund Modelle von Severikirche und Dom in Erfurt, der Stadt, in der sie früher lebte. Foto:

Hintergrund: Seelsorge und Gemeindereferent

Bis 1989 war der Beruf unter der Bezeichnung Seelsorgehelferin in der DDR nur Frauen vorbehalten. In den westdeutschen Bistümern gibt es die Berufsbezeichnung Gemeindereferent dagegen schon seit 1968.

Auf Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz löste sie seinerzeit den bis dahin auch dort üblichen Terminus Seelsorgehelferin ab. Spätestens mit Gründung der Fachhochschulen zur Ausbildung der Gemeindereferenten 1971 war es in Westdeutschland auch Männern möglich, diesen Beruf zu ergreifen. ()

22.07.2019
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